Wirtschaft
HWG - Cuxhaven: Henning Voscherau im Interview über seine Verbindungen nach Cuxhaven, notwendige Reformen beim Netzumbau und die Vorteile der PPP-Finanzierung
Samstag, der 9.März 2013
HWG - Cuxhaven: Henning Voscherau im Interview über seine Verbindungen nach Cuxhaven, notwendige Reformen beim Netzumbau und die Vorteile der PPP-Finanzierung

Cuxhaven: Henning Voscherau, ehemaliger Erster Bürgermeister Hamburgs und Mitglied der HWG, im Interview mit der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven e.V.

Herr Dr. Voscherau, was verbindet Sie ganz persönlich mit dem Standort Cuxhaven und der HWG?
Meine Verbindung mit Cuxhaven ist recht persönlich und reicht schon sehr lange zurück: Vor mehr als 60 Jahren durften mein Bruder und ich den Sommer in Duhnen und auf Neuwerk verbringen. Sechs Jahre nach dem Kriege waren wir noch unterernährt und sollten in der guten Nordseeluft endlich zunehmen. Mit der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven und ihren Mitgliedern wie mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans-Heinrich Eilers und dem damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder verbindet mich unsere gemeinsame Lösung für den Amerika-Hafen, diesen historischen Hamburger Stachel in Cuxhaven. Mit dessen Eigentumsübertragung an das Land Niedersachsen haben wir eine Win-win-Situation erreicht – für Cuxhaven und für Hamburg.

Worin sehen Sie die bedeutendsten Potenziale der Hafenstandorte an der deutschen Nordseeküste?
Die deutschen Welthäfen liegen am Rhein, an Jade-Weser und an der Elbe. Wollen wir an der Elbe nicht auf ewig ins Hintertreffen kommen, müssen wir unsere Potenziale im Wettbewerb mit Rhein- und Wesermündung ausschöpfen und an einem Strang ziehen.

Stichwort Offshore-Windenergie: Sind Sie der Auffassung, dass von politischer Seite aktuell genug für die Umsetzung der Energiewende unternommen wird?
Die Energiewende ist richtig, aber ein Großrisiko für unsere industrielle Wettbewerbsfähigkeit, und finanziell ist sie ein Umverteilungsmodell. Ich glaube nicht, dass dies in der Stunde der Not für viele geringverdienende Haushalte politisch und verfassungsrechtlich gut gehen wird. Und die deutsche Energiewende verpulvert subventionierte regenerative Energie, weil die Netze nicht rechtzeitig geplant, genehmigt und gebaut wurden. Dieser dreifache Fehler dauert an. Soll er korrigiert werden, muss die Energie bezahlbar bleiben, die Umverteilung beendet werden, und es muss ein Netzumbau-Gesetz verabschiedet werden, dass den Rechtswegestaat begrenzt und dafür enteignende und entschädigende Regelungen im Sinne des Art. 14 Abs. 3 des Grundgesetzes enthält. Sonst dauert der Netzausbau noch mehr als 20 Jahre.

Am Standort Cuxhaven sollen zukunftsweisende Projekt wie der Liegeplatz 4 als Public-Private-Partnership (PPP) umgesetzt werden. Worin sehen Sie die größten Vorteile eines solchen Modells?
Wer sein privates Geld zu Markte trägt, achtet auf die Rentabilität oder verliert sein Investment. Das kann heilsame Wirkung haben. Und es beschleunigt das Schneckentempo der öffentlichen Hände.

Wie kann die Metropolregion Hamburg in den kommenden Jahren logistisch noch stärker vernetzt werden?
Das Ringen um eine bessere Infrastruktur in und um Hamburg als der norddeutschen Metropole mit Wachstumsprozessen für die gesamte Region dauert seit dem Fall der Mauer an. Wichtige Projekte stehen nach wie vor auf dem Papier: Die A 26 ist noch immer nicht an die A 7 angeschlossen, die A 20 nicht an der Elbe angekommen. Doch selbst wenn – auch die Westliche Elbquerung kann nicht die Lösung aller Probleme sein. Die Idee einer Östlichen Elbquerung wurde zerredet, die Y-Trasse der Bahn ist in weiter Ferne. Selbst mein Traum einer 55-Minuten-Verbindung zwischen dem Hamburger Hauptbahnhof, einem gemeinsamen norddeutschen Großflughafen südlich Schwerins und dem Berliner Hauptbahnhof wurde damals sehr bald durch Bund und Bahn vernichtet. Natürlich gibt es gegen jedes Projekt massiven Bürgerprotest, teils aus ökologischen, teils aus partikularistischen Motiven. In Deutschland wissen nun einmal sehr viele, was nicht geht. Aber die Zukunft gewinnt man nur nach dem Satz: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Hoffen wir, dass wir es nicht erst wieder begreifen, wenn es uns schlecht geht.

nordic market bedankt sich bei Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven e.V. (Pressemeldung vom 28.02.2013)

Quelle: HWG Cuxhaven e.V | Foto: HWG Cuxhaven,© privat
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