Wirtschaft
Niedersachsen: Alstom produziert Coradia iLint für die LNVG, Brennstoffzellen-Züge ersetzen Dieselzüge
Freitag, der 10.November 2017
Niedersachsen: Alstom produziert Coradia iLint für die LNVG, Brennstoffzellen-Züge ersetzen Dieselzüge
Wolfsburg: Darin waren sich alle Beteiligten bei der Vertragsunterzeichnung am 09.11.2017 in Wolfsburg einig: Der Zug der Zukunft wird von Wasserstoff angetrieben, fährt komplett emissionsfrei und wird zuerst in Niedersachsen den Personenverkehr aufnehmen. Produziert wird der „Coradia iLint“ vom Schienenfahrzeugbauer Alstom für die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Insgesamt 14 Brennstoffzellen-Züge werden im Werk Salzgitter gefertigt und sollen ab Dezember 2021 Reisende zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude befördern. Sie ersetzen dort die Dieseltriebwagen der Elbe-Weser-Verkehrsbetriebe (evb) und reduzieren den Schadstoff-Ausstoß im täglichen Betrieb auf Null. Die Versorgung der Züge mit Wasserstoff wird über eine eigene Tankstelle  von der Linde Group sichergestellt. Rund 1.000 Kilometer kann der iLint mit einer Tankfüllung zurücklegen, bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 Km/h.
 
Die Verträge über die Lieferung der 14 Brennstoffzellen-Züge sowie für ihre 30-jährige Instandhaltung und Energieversorgung wurden von den Geschäftsleitungen der LNVG, Alstom und Linde am Donnerstag vor der Presse in Wolfsburg unterzeichnet. Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies hatte zur Unterzeichnung am Rande der Verkehrsminister-Konferenz eingeladen. So konnten sich die Ressortkollegen einen eigenen Eindruck vom Prototypen des Coradia iLint verschaffen, der gemeinsam mit einem zweiten Exemplar im Frühjahr 2018 den Pilotbetrieb im evb-Netz aufnehmen wird.
 
Das niedersächsische Verkehrsministerium unterstützt die Anschaffung der 14 Brennstoffzellen-Züge mit rd. 81,3 Millionen (Mill.) Euro. Verkehrsminister Olaf Lies überreichte den beiden LNVG-Chefs Hans-Joachim Menn und Klaus Hoffmeister in Wolfsburg einen entsprechenden Förderbescheid. Die Landestochter erwirbt die Coradia iLint für den eigenen Fahrzeugpool und vermietet sie anschließend an ein Bahnunternehmen. Instandgehalten werden die Brennstoffzellen-Züge von Alstom in der evb-eigenen Werkstatt in Bremervörde, die für diese Zwecke erweitert wird.
Foto: © Alstom/Michael Wittwer

Verkehrsminister Olaf Lies sagte: „Ab jetzt gibt es im nicht elektrifizierten Schienenverkehr eine echte Alternative zum Dieselbetrieb. Wasserstoff und Brennstoffzellen sind eine ideale Kombination für Klima-schutz, Energie- und Verkehrswende. Sie ermöglichen das Speichern von Energie und emissionsfreies Bahnfahren. Wir fördern innovative Technologien und leisten einen nachhaltigen Beitrag zur Energiewende im Verkehrssektor. Es freut mich, dass Alstom die Züge in Niedersachsen baut und den Produktionsstandort in Salzgitter weiter stärkt.“
 
Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) erklärte: „Emissionsfrei, energieeffizient und kostengünstig – Triebwagen mit Brennstoffzellenantrieb sind eine umweltfreundliche Alternative zu Diesellokomotiven. Um den Wirtschafts-standort Niedersachsen zu stärken, wollen wir rd. 8,4 Millionen Euro in die Hand nehmen und das Vorhaben der LNVG unterstützen. Die Mittel sollen aus dem Nationalen Innovationsprogramm für Wasserstoff und Brennstoffzellen-Technologie, kurz NIP 2, bereitgestellt werden.“
 
Menn und Hoffmeister, deren Gesellschaft zwischen Nordsee und Harz den Regionalverkehr auf der Schiene organisiert und dafür jährlich knapp 300 Mill. Euro Steuergelder ausgibt, unterstrichen bei der Vertrags-unterzeichnung: „Die Brennstoffzellen-Technologie hat gute Chancen, sich in Deutschland in den nächsten 10-15 Jahren durchzusetzen; Dieselfahrzeuge werden mehr und mehr vom Markt verdrängt“, skizzieren beide die Zukunft des Eisenbahnverkehrs. 
 
Gian Luca Erbacci, Senior Vice President für Europa bei Alstom, sagte in Wolfsburg: „Dieser Tag ist ein echter Durchbruch im Schienenverkehr und ein großer Schritt für eine Veränderung hin zu umweltfreundlichen Mobilitätssystemen. Weltweit ist es das erste Mal, dass ein wasserstoffbetriebener Regionalzug einen Dieselzug ersetzt. Ohne jegliche Emission erreicht er die gleiche Leistung wie ein normaler Regionalzug bei einer Reichweite von 1.000 km. Alstom ist sehr stolz, seinen Coradia iLint in Salzgitter, Niedersachsen, entwickelt zu haben. Wir sind der deutschen Bundesregierung und der niedersächsischen Landesregierung dankbar für ihre durchgängige Unterstützung und das Vertrauen in Alstoms hohe Innovationsfähigkeit“.

Foto: © Alstom

Die Gewährleistung einer verlässlichen und sicheren Energieversorgung ist eine der Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von Brennstoffzellen-Zügen. Der Technologiekonzern The Linde Group, eines der weltweit führenden Gase- und Engineeringunternehmen, wird die Wasserstoffversorgung für die neuen Brennstoffzellen-Züge übernehmen und hierfür die weltweit erste Wasserstoff-Tankstelle für Züge in Bremer-vörde errichten und betreiben. Die Investitionskosten hierfür werden auf rd. 10 Mill. Euro veranschlagt und vom Bund gefördert. Das Grundstück für die Tankstelle wird die LNVG bei der evb anmieten und der Linde AG zur Verfügung stellen, die sich auch um die Betriebs- und Baugenehmigung kümmert. In einer späteren Projektphase ist vor Ort die Produktion von Wasserstoff per Elektrolyse und mithilfe von Windenergie geplant.
 
Bernd Eulitz, Mitglied des Vorstands der Linde AG, betonte: „Die Verwendung von Wasserstoff für Schienen-fahrzeuge ist ein Meilenstein in der Anwendung der Brennstoffzelle für den emissionsfreien Verkehr.  Zum ersten Mal wird in signifikantem Umfang und wirtschaftlich tragfähig die Sektorenkopplung mit der Wasserstoff-Infrastruktur umgesetzt. Diese Entwicklung wird den Aufbau einer Wasserstoff-Gesellschaft vorantreiben und neue Lösungen für das Speichern und Transportieren von Energie hervorbringen. Wir sind stolz, Teil dieses Innovationsprojekts zu sein.“  
 
Foto oben: © Alstom/Michael Wittwer (Pressemeldung vom 10.11.2017)
Quelle: Alstom Transport Deutschland GmbH | Foto: © Alstom/Michael Wittwer
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